Hörendes Herz…

 

stimmengewirr

die welt ist laut 

lärm schluckt 

die stille

alle wollen nur reden

jeder hat was zu sagen 

auch wenn er nichts zu sagen hat

eh uns die worte im hals

stecken bleiben

vor lauter banalität 

bitten wir wie salomon

herr

schenke uns ein hörendes herz

das böses vom guten 

zu unterscheiden weiß

und wir dein flüstern nicht

überhören 

weil du liebst

schreist du nicht

liebe lebt von der Stille


©k-h.berger

 

Gedanken zum 17. Sonntag im Jahreskreis

 

„In Gibeon erschien der HERR dem Salomo nachts im Traum und forderte ihn auf: Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll!  Salomo antwortete: Du hast deinem Knecht David, meinem Vater, große Huld erwiesen; denn er lebte vor dir in Treue, in Gerechtigkeit und mit aufrichtigem Herzen. Du hast ihm diese große Huld bewahrt und ihm einen Sohn geschenkt, der heute auf seinem Thron sitzt. So hast du jetzt, HERR, mein Gott, deinen Knecht anstelle meines Vaters David zum König gemacht. Doch ich bin noch sehr jung und weiß nicht aus noch ein. Dein Knecht steht aber mitten in deinem Volk, das du erwählt hast: einem großen Volk, das man wegen seiner Menge nicht zählen und nicht schätzen kann. Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht! Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren? Es gefiel dem Herrn, dass Salomo diese Bitte aussprach. Daher antwortete ihm Gott: Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast und nicht um langes Leben, Reichtum oder um den Tod deiner Feinde, sondern um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören, werde ich deine Bitte erfüllen. Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz, dass keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird, der dir gleicht. Aber auch das, was du nicht erbeten hast, will ich dir geben: Reichtum und Ehre, sodass zu deinen Lebzeiten keiner unter den Königen dir gleicht. Wenn du auf meinen Wegen gehst, meine Gesetze und Gebote bewahrst wie dein Vater David, dann schenke ich dir ein langes Leben. Da erwachte Salomo und merkte, dass es ein Traum war. Als er nach Jerusalem kam, trat er vor die Bundeslade des Herrn, brachte Brand- und Heilsopfer dar und gab ein Festmahl für alle seine Diener.“ (1Kön 3, 5-15)

 

©Kath. Bibelwerk

 

Die Welt ist laut, so laut, man hört vieles, doch das Wichtige ist nicht zu hören, der Lärm des Alltags beherrscht uns und übertönt alles, was leise ist. Dabei will jeder gehört werden, ob er was zu sagen hat oder nicht und meistens sind es doch nur Banalitäten, die wir zu hören bekommen. Menschen, die zuhören wollen und können, findet man nicht gerade an der nächsten Straßenkreuzung, reichlich vorhanden sind dagegen diejenigen, die sich gerne reden hören. Manche Entscheidungen der Politiker müssten sie im Nachhinein nicht revidieren, hätten sie erst einmal gehört, das Volk und die Menschen und was diese vonnöten haben. 

„Höre mein Sohn und neige deines Herzens Ohr dem Wort des Herrn zu,“ so beginnt der hl. Benedikt seine Regel. Und wenn Israel sich seinem Gott zuwendet, dann beginnt das Bekenntnis mit nichts anderem als: sch’ma Israel, höre Israel. Hören kommt vor dem Tun, nicht ein Hören mit den Ohren, sondern mit dem Herzen. So öffnet sich der Mensch für das Unhörbare, für das Geheimnis des Ewigen, für das leise Wort, das aus Gottes Herzen kommt. 

Es ist eigenartig, aber hätten wir Menschen einen Wunsch frei, dann stünde sicher alles auf dieser Liste nur nicht das Hören mit dem Herzen, eher Geld, Macht, Einfluss und vielleicht auch noch Gesundheit. Hören hat in unserer Welt und in unserer Gesellschaft keinen hohen Stellenwert, zumal es oft in Verbindung gebracht wird mit Gehorsam. Jeder ist sich doch selbst mächtig, er lässt sich nichts sagen und er redet lieber, bevor er zuhört. Wie demütig und klug ist dagegen der junge König Israels - er hat einen Wunsch in Gottes Gegenwart frei und er bittet darum, Gott möge ihm nicht Reichtum, nicht Macht, sondern ein hörendes Herz geben.

 

„Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht! Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren?“ 

 

Es wäre ein Leichtes, Gott um ein langes Leben zu bitten, aber das wäre nur ich bezogen, Salomon hingegen bittet um etwas, das dem Volk zugutekommt, er bittet um ein hörendes Herz, damit er das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht. Er, der König Israels, unterstellt sich ganz dem Willen Gottes, gehorsam und demütig und das adelt den Menschen. Der berühmte Satz des Antoine de Exupéry abgewandelt, wobei man nur mit dem Herzen gut sieht, könnte man sagen: Man hört nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Ohren unhörbar. Unter dieser Art zu hören wirkt dann auch der Mann aus Nazareth sein Heilungswunder, er berührt dem Kranken die Ohren, und fordert ihn auf, sich zu öffnen. 

Und weil Hören ein Merkmal der Christen ist, berührt der Priester bei der Taufe die Ohren des Täuflings und spricht: Effata -tu dich auf, wobei nicht das organische Hören gemeint ist, so wenig wie bei den Wundern Jesu, sondern das offene Herz des Menschen, das sich von Gott berühren lässt, und das unhörbare Wort des Ewigen versteht. Ja, Gott spricht, auch wenn wir meinen, er schweigt zu allem, worunter Menschen leiden. Wir haben den Eindruck, dass er unsere Bitten überhört, und das liegt wohl daran, dass wir manchmal Wünsche haben, die unserer Selbstbezogenheit entstammen, oder gar sich auf rein Materielles beziehen. Es sind Nichtigkeiten angesichts der Liebesfülle, mit der sich Gott unser annimmt.

 

Und so bleibt uns nur, uns die Bitte Salomons zu eigen zu machen und bescheiden zu sagen: nicht Gold und Silber oder ein langes Leben erbitte ich von dir, verleihe mir stattdessen ein hörendes Herz, damit ich das Gute vom Bösen zu unterscheiden weiß.

 

Karl-Heinz Berger