Kirchenträume
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Wunschdenken
Ich wünsche mir eine Kirche, die mitten in der Welt steht und sie nicht verachtet, in der das Leben gefeiert wird und die Liebe, das Verzeihen und die Barmherzigkeit, das Sterben und das Auferstehen, in der es möglich ist, dass Menschen ihrem Leben ein ganz eigenen Ausdruck geben dürfen, ohne moralische Bewertung. Ich wünsche mir eine Kirche, in der Kränkungen immer weniger werden und Machtpositionen keine Rolle mehr spielen, in der einer auf den anderen hört. Ich wünsche mir eine Kirche, die den Segen und die Gnade Gottes nicht gepachtet hat, sondern denen bedingungslos schenkt, die danach verlangen. Ich wünsche mir eine Kirche, die ihre Augen auf jene richtet, die am Rande stehen und die den Hunger der Menschen teilt, den Hunger nach Brot und den Hunger nach Liebe.
Meine
Geschichte
Ich bin katholischer Priester seit 1980. In der Gemeindearbeit bin ich vielen Menschen begegnet, meist waren es Suchende, nach einem Sinn für ihr Leben, nach Erfüllung, nach Möglichkeiten, ihren eigenen Weg gehen zu dürfen, unabhängig davon, was andere über sie denken könnten. Letztlich ging es immer wieder darum, echt in seinem Leben zu sein und zu erkennen, dass eben dies auch andere Menschen bereichern kann. Ausgangspunkt solcher Begleitung ist mein Glaube, den ich in der Tradition meiner Kirche zu leben versuche. Dabei gebe ich mich nicht einfach mit dogmatischen Weisheiten zufrieden, ich will selbst ein Suchender bleiben und ich möchte die Menschen so lieben, wie sie sind, anders gesagt: Wie Gott sie gemeint hat. Das bedeutet manchmal, aus dem sicheren Pferch auszubrechen und die Mauern zu überspringen, hinter die man hin und wieder auch durch die Religion geraten kann. "Zur Freiheit hat uns Christus befreit" (Gal 5,1). Es ist eine Freiheit für alles, keine Freiheit gegen alle und alles.
Karl-Heinz Berger
Ich glaube fest daran, dass die Kirche sich verändern kann durch das Evangelium.
Dann wird sein
- statt Mangel - überquellende Fülle
- statt Last - Lust und Freude an Gott und am Leben
- statt der Mächtigkeit und der Macht Einzelner - Solidarität und Verantwortung aller
- statt Klerikalismus - das Priestertum aller Getauften
- statt Opfer und Pflicht - Liebe und Barmherzigkeit
- statt Angst - eine befreiende und befreite Hoffnung
- statt Sicherheit - immer wieder neuer Aufbruch
"Lasst Euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus auferbauen, zu einer heiligen Priesterschaft."
1 Petr 2,5